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Achtung: Ab 2021 tritt die EU-Drohnenverordnung in Kraft

|   Drones

Ab Januar 2021 gelten in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), in Norwegen, Island und in der Schweiz für alle Drohnenflüge die gesamteuropäischen Regelungen. Drohnenpiloten, Besitzer von Drohnen, potentielle Käufer von Drohnen und Drohnenflugschüler stellen sich deshalb zurecht die Frage, was das für sie im Einzelnen bedeutet. Die neue EU-Drohnenverordnung wird leider sehr schleppend kommuniziert und löst sogar bei Profis gelegentlich Verwirrung aus. In einer Reihe von Artikeln und Übersichten möchte ich auf dieser Seite versuchen, etwas Ordnung in die neue EU-Verordnung für Drohnen auf dem europäischen Kontinent zu bringen.

Was ist in der EU-Drohnenverordnung geregelt?

Die neue EU-Drohnenverordnung 2019/945 verfolgt grundsätzlich einen risikobasierten Ansatz und unterscheidet deshalb auch nicht mehr zwischen Freizeit- und Geschäftsaktivitäten. Sie folgt somit der Logik, dass ein Drohnenflug grundsätzlich immer ein Drohnenflug bleibt. Die EU-Kommission nimmt an, dass es für das Risiko irrelevant ist, ob ein Drohnenflug mit privater, gewinnorientierter oder gesellschaftlicher Motivation durchgeführt wird. Die EU-Verordnung berücksichtigt bei ihrer Risikobewertung in erster Linie das Gewicht, die technischen Daten der Drohne / UAS / UAV und die Umstände der beabsichtigten Operation sowie den geplanten Drohnenflugraum bzw. das gesamte Einsatzgebiet und dessen Umgebung. Die EU-Drohnenverordnung 2019/945 reglementiert somit fast sämtliche Betriebsarten von Drohnen / UAS / UAV und teilt alle Drohneneinsätze in festgelegte Risikoklassen ein.

Was ändert sich für Drohnenpiloten?

Mit der neuen EU-Drohnenverordnung ändern sich deshalb ab 2021 viele Einzelheiten für den Betrieb von Drohnen / UAS / UAV. Zum Beispiel ändern sich die Gewichtsgrenzen und die maximale Flughöhe wird in den unteren Klassen von 100 auf 120 Meter über Grund erhöht. Es werden weitere Zertifikate und Fluglizenzen eingeführt sowie zusätzliche Regelungen für die Registrierung und die Sichtbarkeit von bestimmten Drohnen / UAS / UAV für andere Luftfahrzeuge. In Zukunft müssen bestimmte Drohnenklassen für andere Luftverkehrsteilnehmer am Boden und in der Luft elektronisch identifizierbar sein.

Auch beim EU-Kompetenznachweis A1/A3 und auch beim EU-Fernpilotenzeugnis A2 treten ab Januar 2021 in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen und in der Schweiz einige Änderungen in Kraft. Die EU-Verordnung für Drohnen / UAS unterscheidet künftig außerdem, und das ist für alle Drohnenpiloten besonders wichtig zu wissen, zwischen verschiedenen Drohnenklassen und Drohnen-Einsatzkategorien, um festzulegen, wer was wann womit und unter welchen Voraussetzungen darf oder bald eben nicht (mehr) darf. Die Änderungen betreffen also im Kern fast alle Bereiche des Drohnenflugs, die man sich nur vorstellen kann.

Der Umfang des Regelwerks ist sehr groß, weshalb wir beschlossen haben, das nicht alles in einen einzigen Artikel zu pressen. Das wäre sehr ermüdend für jeden Leser. Der Leser interessiert sich oftmals auch nur für individuell relevante Teilsapekte des gesamten Regelwerks. Deshalb fassen wir jeweils solche Einzelfragen in einer Serie von Artikeln / Blogs über die neue EU-Drohnenverordnung zusammen und bringen somit hoffentlich für jeden etwas Struktur und Ordnung in die komplexe Materie.

Heute beginnen wir deshalb mit einer generellen Einführung in die grundsätzliche Struktur und Motivation der EU-Verordnung 2019/945 über die Vorschriften und Verfahren für den Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge ab dem 1. Januar 2021.

Hauptaspekte der EU-Drohnenverordnung im Überblick

Bei der neuen Verordnung geht es hauptsächlich darum, Einsatzgebiete und Einsatzszenarien sowie die Kompetenzen einzelner Drohnenpiloten und Drohnentypen bzw Drohnenklassen zu spezifizieren, um so für mehr Sicherheit im Luftraum zu sorgen. Dafür werden Drohnen bzw. Drohnenflüge in Europa in Zukunft in drei Betriebskategorien unterteilt: die "Offene Kategorie" für geringe Betriebsrisiken während des Einsatzes von UAV / Drohnen, die "Spezielle Kategorie" für Einsatzszenarien, bei welchen von einem erhöhten Betriebsrisiko ausgegangen wird, und die "Zulassungspflichtige Kategorie", bei der sowohl Zulassung und Betrieb des UAV- / Drohnen-Flugsystems ähnlich aufwändig ist wie bei der bemannten Luftfahrt. Die Festlegung dieser drei Betriebskategorien für den Einsatz bzw. den Betrieb von Drohnen / UAS / UAV spiegelt den Fokus der Europäischen Union und des EWS auf das spezielle Kriterium der Höhe des Risikos wider.

Die offene Betriebskategorie bei geringem Betriebsrisiko

Die offene Betriebskategorie betrifft solche Drohnenflüge und Einsatzszenarien in Flugbereichen, für die ein sehr geringes Unfallrisiko vermutet wird und für die deshalb keine weitere Betriebsgenehmigung erforderlich ist. Die Mindestauflage ist jedoch das Mitführen des allgemeinen EU-Zertifikats für Drohnensteuerer der Klasse A1/A3, der "Drohnenführerschein", oder die EU-Fernpilotenlizenz der Klasse A2.

Die spezielle Betriebskategorie bei erhöhtem Betriebsrisiko

Im Falle der speziellen Betriebskategorie gelten neben den Mindestauflagen, die auch für die offene Einsatzkategorie gültig sind, auch noch weitere Auflagen. So muss der Betreiber der Drohne / des UAS je nach Risiko eine spezielle Risikobewertung, ein sogenanntes SORA, durchführen. Das SORA-Risikomanagement (englisch für Specific Operations Risk Assessment) ist eine Risikoanalyse für den Einsatz von unbemannten Flugsystemen (zivilen Drohnen / UAS / UAV). Es ist eine Entwicklung der Joint Authorities for Rulemaking on Unmanned Systems, kurz JARUS. JARUS ist ein internationales Expertengremium, in dem auch Deutschland vertreten ist. Anfang August 2017 wurde die erste Version des internationalen SORA veröffentlicht. SORA wird als mehrstufiger Prozess der Risikobewertung genutzt und soll der Verbesserung der Sicherheit durch den Einsatz von Drohnen bewirken. Beim SORA-Risikomanagement für den Betrieb von Drohnen / UAS / UAV sind laut EASA die Risiken für das Einsatzgebiet, die Gefahren für den Luftraum, die Anforderungen an das Luftfahrtsystem, die luftfahrrelevanten Besonderheiten des Einsatzzwecks und die Erfahrungen des Steuerers zu berücksichtigen.

Außerdem ist unter der speziellen Einsatzkategorie für den Drohnenflug eine allgemeine Betriebsgenehmigung bzw. allgemeine Aufstiegsgenehmigung und je nach Einsatzort eine spezielle Aufstiegsgenehmigung sowie im Einzelfall auch ein Betreiberzeugnis erforderlich.

Um insbesondere in der speziellen Kategorie den Genehmigungsaufwand zu verringern, kann der Betreiber ein sogenanntes LUC beantragen. Dieses „Light UAS Operator Certificate“ kann so ähnlich wie beispielsweise eine ISO 9001 Zertifizierung für ein Unternehmen betrachtet werden. Das bedeutet, dass der Drohnen- / UAS-Betreiber sein Qualitäts- und Sicherheitsmanagement, Ausbildung der Drohnenpiloten, Wartung etc. speziellen Auflagen unterwirft und damit dann in vielen Fällen auf eine einzelne Genehmigung für den Flug verzichten kann.

Die zulassungspflichtige Betriebskategorie für komplexe Betriebsrisiken

Diese letzte Kategorie für den zulassungspflichtigen Betrieb von Drohnen / UAS / UAV betrifft im Grunde nur noch den professionellen Einsatzbereich. In der zulassungspflichtigen Kategorie, wie der Name schon sagt, geht es um die spezielle Zulassungspflicht für den Betrieb von Flugsystemen, von denen ein komplexes Betriebsrisiko ausgeht. Die Zulassung und der Betrieb ist ähnlich kompliziert und aufwändig und orientiert sich an der bemannten Luftfahrt. Auch die Drohensteuerer, sogenanne UAS-Betreiber und die Drohne / UAS / UAV selbst müssen eine detaillierte Luftfahrtzertifizierung durchlaufen.


Kernaussagen der neuen EU-Verordnung über Drohnen: Was mache ich mit meiner nicht-zertifizierten Alt-Drohne, die ich vor 2021 gekauft habe?

Diese Serie über die neue EU-Drohnenverordnung wird fortgesetzt und handelt im nächsten Artikel von den Kernaussagen der EU-Verordnung und von den Drohnenklassen und was diese Drohnenklassen im Einzelnen für den Betrieb bestehender "Alt-Drohnen" bedeuten, die vor Inkrafttreten der neuen Verordnung gekauft wurden und deshalb nicht zertifiziert sind.

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Frank Diebel
Frank Diebel, zertifizierter Drohnenpilot
Europäische Kommission
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Startfeld in Gelting
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